dmitrij und vladimir

Nach den USA noch schnell ein Blick rüber nach Russland. Dort wurde bekanntlich vor kurzem ein neuer Präsident …äähm… gewählt; Dmitrij Medvedev wird also Anfang Mai Vladimir Putin ablösen (Überraschung!). Und das ist doch eine schöne Gelegenheit, sich die Vornamen der beiden mal ein bisschen genauer anzuschauen.

Dabei werde ich diesmal allerdings die vielen möglichen und unmöglichen Schreibvarianten der beiden Namen (besonders des neuen Präsidenten) ignorieren und mich an die wissenschaftliche Transliteration halten. Die ist zumindest konsequent. Wer mehr zum Thema wissen möchte, kann diesen schönen Artikel der SZ lesen.

Fangen wir mit dem alten Präsidenten bzw. seinem Namen an. Vladimir ist eine altkirchenslawische und in Russland sehr verbreitete Form des altrussischen Wolodiměr. Und dieser ist eine Anpassung an den germanischen Waldemar (was man klanglich ja durchaus noch ahnen kann). Waldemar setzt sich aus den althochdeutschen Stämmen walt/wald (für herrschen) und mar/mari (für berühmt, glänzend) zusammen. Frei übersetzt sagt der Name also soviel wie „der durch Herrschen berühmte“. In Russland wurden die Namensbestandteile allerdings umgedeutet. Der erste Stamm behielt dabei seine ursprüngliche Bedeutung; das kirchenslawische vladi bzw. das slawische vlast bedeutet soviel wie Macht, Herrschaft, beherrschen. Der zweite Stamm aber wurde an russisch mir, also Friede oder Welt, angelehnt. Man wäre also wahlweise beim „Weltbeherrscher“ oder beim „Frieden durch Herrschen“.

Putins Nachfolger trägt einen weniger mächtigen Vornamen. Aber das muss ja nicht unbedingt viel bedeuten. Dmitrij ist jedenfalls eine russische Form zu Demetrius. Und das ist die latinisierte Variante vom griechischen Demetrios, was soviel sagen will wie „(der Göttin) Demeter geweiht“. (Demeter ist die griechische Göttin der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus. Wörtlich übersetzt steht ihr Name für „Mutter Erde“.)

Beide, der scheidende wie der designierte Präsident, tragen übrigens in ihrer Heimat sehr beliebte Namen. So war Vladimir mindestens in den 60ern auf den vorderen drei Plätzen der meistvergebenen Jungennamen zu finden. Und Dmitrij war hier noch Anfang des Jahrtausends auf Platz zwei.

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