sonore maoams – namenstrends in deutschland

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet heute über Studien von Damaris Nübling, Professorin für Historische Sprachwissenschaft des Deutschen an der Universität Mainz. Die Studien erhärten Theorien, die besagen, dass Jungen- und Mädchennamen sich lautlich immer mehr angleichen – die Rufnamen also mit der Zeit androgyner werden.

Nübling untersuchte die häufigsten vergebenen Vornamen von 1945 bis 2008. Dabei hat sie verschiedene Trends feststellen können;

  • Der Anteil weicher Konsonanten (wie l, m, n und j) und Vokale stieg vor allem in den siebziger und neunziger Jahren stark an. (So klingt Tim (2008 in den Top10) weicher als Stefan (1975), und der wiederum weicher als Günther (1945). Außerdem stehen weiche Konsonanten nicht mehr so oft neben anderen Konsonanten (wie in Elke), sondern können auch zwischen (Julian) oder vor Vokalen (Leah) vorkommen und sich dadurch „lautlich freier entfalten“. Gleichzeitig werden die Namen kürzer und so „ballt sich maximale Sonorität auf einem minimalen Namenskörper„.
  • Auch Hiaten (zwei aufeinander folgende Vollvokale, die verschiedenen Silben angehören) werden bei beiden Geschlechtern immer häufiger. 1945 gab es nur zwei beliebte Vornamen mit Hiaten (Marion und Michael), in den Siebzigern nahm der Anteil schon stark zu (vor allem aufgrund der vielen Namen auf -ian (Christian, Florian, Maximilian). Heute sind zum Beispiel Noah, Elias, Lea(h) und Sophia zu nennen. Frau Nübling bezeichnet diesen Trend als Maoam-Effekt.
  • Außerdem nehmen Konsonantencluster (wie in Brigitte)  immer mehr ab. Heute findet man sie nur noch bei Charlotte und Niklas.

Diese „Theorie der feminisierten Jungennamen“ würde, so der Autor weiter, endlich erklären, warum die vergebenen Namen immer wohlklingender (euphonischer) werden.

Der Artikel sieht diese Trends in den Neuzugängen der aktuellen GfdS-Top10 bestätigt; Mia und Tim sind extrem kurz, haben helle Vokale, weiche Konsonanten und in Mia versteckt sich sogar ein Hiat.

Und so kann Damaris Nübling abschließend feststellen;

Noch nie seit 1945 waren sich die Rufnamen beider Geschlechter strukturell so ähnlich wie heute.

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Nachzulesen ist der gesamte Artikel hier.
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4 Kommentare

Eingeordnet unter laien-onomastik, links, statistik

4 Antworten zu “sonore maoams – namenstrends in deutschland

  1. Ilse ist heute auch nur noch ein selten vergebener Vorname und daher habe ich mir erlaubt einige bewundernswerte Ilse Namensträgerinnen, die über eine Internetpräsenz verfügen, zusammenzustellen. Vielleicht gefällt es ja dem einen oder anderen oder ein Denkanstoss zum Nachmachen für Webseiten seltener Vornamen.

  2. Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass der Vorname „Dschingis“ (Schreibweise unverbindlich) sich wachsender Beliebtheit unter den in Deutschland lebenden Türken erfreue.
    In dem bei Ihnen verlinkten Lexikon der türkischen Vornamen finde ich ihn aber nicht.

  3. hallo,
    eventuell war cengiz gemeint? der taucht auch bei vaybee auf (mit der bedeutung „stark, mächtig“) und ist die türkische form zu dschingis.
    außerdem kenne ich noch den persischen jingiz, ebenfalls eine form von dschingis/changez etc.
    für jingiz führt „the complete book of muslim and parsi names“ (von gandhi und husain) folgendes als bedeutung auf; „strong, firm, solid, respected, perfect warrior“. die angaben bei vaybee scheinen also zu stimmen.

  4. Danke, das hilft mir sehr!

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