Archiv der Kategorie: laien-onomastik

promis

Heute will ich mich dann auch mal an zwei verspätete Promi-News machen;

Jennifer Lynn Lopez und Marc Anthony (eigentlich Marco Antonio Muñiz) sind seit dem 22. Februar Eltern von Zwillingen. Die beiden heißen Emme Maribel und Maximilian David. Der offizielle Familienname ist Muñiz. Rufnamen sind Emme ([emi] gesprochen) und Max. Maribel wurde als Erinnerung an Marcs Schwester gewählt und David ist der Name von Jennifers Vater.

(Die englische) Emme ist wohl eine Schreibvariante zu Emmy. Das ist eine Verkleinerungsform von Emma oder Emily. Emma wiederum ist eine Kurzform von Namen, die mit Erm- beginnen; einer lautlichen Variante zu irm-, vom althochdeutschen irmin für „allumfassend, mächtig, groß„. Emily kann die englische Form von Emilia sein, der weiblichen Form von Aemilius (wovon sich zB auch Emil ableitet). Aemilius war ein römischer Geschlechtername und leitet sich entweder von lateinisch aemulus (für „eifrig„), dem griechischen (h)aimulos („freundlich„) oder (laut Goldmann) von einem etruskischen Namen mit der Bedeutung „Bronzegießer“ ab. Eine andere Ableitung für Emily wäre die von Amalia. Amalia wiederum ist eine Kurzform von germanischen Namen, die mit Amal-beginnen. Die Amaler waren ein ostgotisches Königsgeschlecht, die Herkunft von amal ist allerdings ebenfalls nicht sicher geklärt. Denkbar ist die angenommene germanische Übersetzung, etwa „Anstrengung, Emsigkeit, Bemühen, Eifer„.

Maribel macht es uns zum Glück zumindest etwas leichter. Es ist eine spanische Zusammensetzung aus Maria und Isabel. Maria ist die lateinisch-griechische Form der aramäisch-hebräischen Mirjam (was vielleicht „die Ungezähmte, die Widerspenstige“ oder „Bitterkeit, Verbitterung“ bedeutet. Die Herkunft des Namens ist aber sehr umstritten.). Isabel ist die spanische Form zu Elisabeth. Das ist die griechische Form des hebräischen elisheba („Gott ist mein Eid„, oder (wahrscheinlicher) „Gott ist ‚Sieben‘“ (Sieben steht dann für Vollkommenheit, Fülle)).

Maximilian(us) ist eine Variante (durch Dissimilation von n zu l entstandene) zu Maximinianus, einer Erweiterung vom lateinischen Namen Maximus. Maximus ist der Superlativ von Magnus („groß„). Also ist Maximilian „der Größte„.

Und David ist schließlich ein hebräischer Name, der meistens mit „Liebling, Geliebter“ übersetzt wird.

Marc Anthony hat aus früheren Beziehungen übrigens bereits drei Kinder; Arianna, Cristian Anthony und Ryan Anthony.

• Und die Tochter von Halle Maria Berry und Gabriel Aubry kam am 16. März zur Welt. Sie trägt den Namen Nahla Ariela Aubry. Für den Namen konnten die Eltern sich erst kurz vor Verlassen des Krankenhauses entscheiden; sie fanden es sehr schwer, der wichtigsten Person in ihrem Leben einen Namen zu geben, ohne sie gesehen zu haben.

Nahla ist ein arabischer Name und bedeutet wohl soviel wie „ein Schluck Wasser„. Ein gewisser Michael D. Cooperson, Professor für Arabisch in Los Angeles, übersetzt Nahla allerdings mit „Honigbiene„. Ariela ist eine weibliche Form vom hebräischen Ariel („Gottes Löwe„).

Viele assoziieren die Namen wohl mit Disney; Nala (Swahili für „Geschenk„) ist ein kleines Löwenmädchen im König der Löwen und Arielle natürlich die bekannte Meerjungfrau. Ich habe keine Ahnung, ob diese Nähe beabsichtigt war.

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ostern

Da heute ja bekanntlich Ostersonntag ist, will ich etwas näher auf Osternamen (oder was man dafür halten könnte) eingehen. Sozusagen als kleine Aufmerksamkeit für die Christen unter uns (davon soll’s ja noch ein paar geben).

Das Pascal was mit Ostern zu tun hat, wissen sogar manche Nicht-Namensinfizierte. Genau genommen ist es die französische Form vom lateinischen Paschal(is). Und der ist ursprünglich angelehnt an das hebräische Wort passah/pessach für vorübergehen, verschonen. Sehr viele Sprachen haben den jüdischen Begriff Pessach für das Osterfest übernommen und deswegen wird Paschalis heute mit „der zum Osterfest gehörige„, „der Österliche“ übersetzt. Ein paar andere Formen des Namens sind Pascale und Pascaline (die französischen weiblichen Varianten), Pasquale und Pasqua (die italienischen Formen), sowie Pasquier (als seltene französische Nebenform).

Anastasia wäre ein anderer thematisch passender Name. Es ist die weibliche Form zum griechischen Namen Anastasios/Anastasius. Der leitet sich von anástasis ab, was so viel heißt wie Auferstehung. Eine Anastasia ist also „die Auferstandene„. Früher wurde der Name von Christen im Sinne von durch die Taufe auferstanden vergeben. Andere (Kurz-)Formen wären Nastja, Nastjenka, Nastasja, Tasja, Natalia (alle russisch), Stacia, Stacie oder Stacy (englisch), Anastasie (als französische Form) und für Jungen Anastase (ebenfalls französisch), Anastaï (eine franco-kanadische Form), Anastas (armenisch) oder der italienische Anastasio.

Und jetzt wird es etwas komplizierter. Die etymologische Herkunft des Wortes „Ostern“ ist nicht einwandfrei geklärt. Auch über den Ursprung des Festes an sich gibt es Diskussionen. Der Ostern-Artikel bei Wikipedia gibt einen recht guten und knappen Überblick dazu.

Folgt man der Ableitung vom heidnischen Frühlingsfest um die Frühlingsgöttin Eostrae, bietet sich der germanische Name der Göttin, also Ostara an. Außerdem gibt es noch deren ursprüngliche, angelsächsische Form Eastre, bzw. die neuere englische Easter.

Auch Aurora (zu lateinisch „Morgenröte„) und alle Formen bzw. bedeutungsverwandte Namen sind denkbar; zum einen ist aurora etymologisch wohl mit Eastre verwandt (*ausos wird als indogermanischer Stamm mit eben der Bedeutung Morgenröte angenommen), zum anderen fand die österliche Taufe im Mittelalter immer zur Zeit der Morgenröte statt. So wären Aure und Aurore französische Ableitungen, Zora und Zorana arabische, Awrora eine russische Schreibweise, Dennitsa ein altslawischer Name, Gwawr eine walisische Form und Roxane und ähnliche Formen persisch.

Außerdem gibt es noch die althochdeutschen Frauennamen Osterhild und Osterlind. -hild leitet sich vom althochdeutschen hiltia (für Kampf) und -lind entweder von litna (Lindenholzschild) oder eben lind/t (sanft, mild) ab. oster kommt in beiden Fällen von althochdeutsch ostar. Allerdings ist die Frage, ob dieser Stamm nun tatsächlich für Ostern bzw. Frühlingslicht steht oder doch schlicht für östlich. Osternamen wären sie wohl irgendwie in jedem Fall. Schließlich kann man den Osten, wie im Wikipediaartikel, auch als Richtung des Sonnenaufgangs, also als Symbol für die Auferstehung, sehen.

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Und hier für Interessierte noch ein Schweizer Artikel über österliche Nachnamen.

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dmitrij und vladimir

Nach den USA noch schnell ein Blick rüber nach Russland. Dort wurde bekanntlich vor kurzem ein neuer Präsident …äähm… gewählt; Dmitrij Medvedev wird also Anfang Mai Vladimir Putin ablösen (Überraschung!). Und das ist doch eine schöne Gelegenheit, sich die Vornamen der beiden mal ein bisschen genauer anzuschauen.

Dabei werde ich diesmal allerdings die vielen möglichen und unmöglichen Schreibvarianten der beiden Namen (besonders des neuen Präsidenten) ignorieren und mich an die wissenschaftliche Transliteration halten. Die ist zumindest konsequent. Wer mehr zum Thema wissen möchte, kann diesen schönen Artikel der SZ lesen.

Fangen wir mit dem alten Präsidenten bzw. seinem Namen an. Vladimir ist eine altkirchenslawische und in Russland sehr verbreitete Form des altrussischen Wolodiměr. Und dieser ist eine Anpassung an den germanischen Waldemar (was man klanglich ja durchaus noch ahnen kann). Waldemar setzt sich aus den althochdeutschen Stämmen walt/wald (für herrschen) und mar/mari (für berühmt, glänzend) zusammen. Frei übersetzt sagt der Name also soviel wie „der durch Herrschen berühmte“. In Russland wurden die Namensbestandteile allerdings umgedeutet. Der erste Stamm behielt dabei seine ursprüngliche Bedeutung; das kirchenslawische vladi bzw. das slawische vlast bedeutet soviel wie Macht, Herrschaft, beherrschen. Der zweite Stamm aber wurde an russisch mir, also Friede oder Welt, angelehnt. Man wäre also wahlweise beim „Weltbeherrscher“ oder beim „Frieden durch Herrschen“.

Putins Nachfolger trägt einen weniger mächtigen Vornamen. Aber das muss ja nicht unbedingt viel bedeuten. Dmitrij ist jedenfalls eine russische Form zu Demetrius. Und das ist die latinisierte Variante vom griechischen Demetrios, was soviel sagen will wie „(der Göttin) Demeter geweiht“. (Demeter ist die griechische Göttin der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus. Wörtlich übersetzt steht ihr Name für „Mutter Erde“.)

Beide, der scheidende wie der designierte Präsident, tragen übrigens in ihrer Heimat sehr beliebte Namen. So war Vladimir mindestens in den 60ern auf den vorderen drei Plätzen der meistvergebenen Jungennamen zu finden. Und Dmitrij war hier noch Anfang des Jahrtausends auf Platz zwei.

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hussein

Der Name Hussein macht momentan wieder mal eher negative Schlagzeilen. Barack Obama, der Konkurrent Hillary Clintons im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, trägt ihn -wie sein kenianischer Vater als Erinnerung an dessen Vater- als Mittelnamen. Manchem scheint das im emotionalen Wahlkampf ein willkommenes Argument gegen ihn zu sein. Obama dürfte deshalb wohl gerade viel für einen, sagen wir mal, unauffälligeren Mittelnamen geben. Das ist aber eigentlich schade.

Am Namen Hussein ist nämlich an sich gar nichts auszusetzen. Im Gegenteil; wie viele arabische Namen hat auch Hussein eine eigentlich sehr schöne Bedeutung.

Er ist eine Diminutivform von Hassan bzw. Hasan (auch für Hussein existieren noch andere lateinische Schreibvarianten; neben Husein beispielsweise noch Husain und Husayn). Hassan wiederum leitet sich vom arabischen hasuna ab, was anscheinend in etwa schön, gut bedeutet. Ein Hussein wäre also frei übersetzt der „kleine Schöne„. Es finden sich allerdings auch Quellen, die Hassan mit Vorsänger“ übersetzen. Was natürlich gut zu Obamas Redetalent passen würde. Andere halten einen Hassan für jemanden, „der sich um Andere kümmert“. Auch das wäre unzweifelhaft eine gute Eigenschaft für Präsidenten.

Zur Verbreitung und Beliebtheit des Namens in der arabischen Welt dürfte vor allem Hussein ibn Ali, ein Enkel des Propheten Mohammed, beigetragen haben.

Wegen der Bedeutung sollte Obama seinen Mittelnamen also nicht verschweigen. Warum er das trotzdem tut, darüber macht sich dieser lesenswerte Artikel der Time Gedanken. Ebenfalls interessant für Namensfreaks ist dieser Text über die Vorzüge von Obamas Mittelnamen bei salon.com.

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